Jet Protector im Thüringer Justizvollzug – BSBD sieht deutlichen Mehrwert für die Eigensicherung

Jet Protector im Thüringer Justizvollzug – BSBD sieht deutlichen Mehrwert für die Eigensicherung

Mehr Reichweite, eine gezieltere Ausbringung des Wirkstoffes und geringere Streuung. Nach einer praktischen Vorführung des „Jet Protectors“ spricht sich der BSBD Thüringen für die Einführung dieses zusätzlichen Eigensicherungsmittels im Thüringer Justizvollzug aus.

Am 24. September hatten Vertreter des Thüringer Justizvollzuges die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Live-Vorführung mit dem Jet Protector auseinanderzusetzen. Das System wurde durch Kollegen aus Bayern vorgestellt, wo es bereits eingesetzt wird und nach den bei der Veranstaltung geschilderten Erfahrungen positiv bewertet wird. Auch Thüringens Justizministerin Beate Meißner nahm an dem Austausch teil. Der BSBD Thüringen war als Fachgewerkschaft des Strafvollzuges ebenfalls vertreten und konnte sich unmittelbar einen Eindruck von der praktischen Handhabung verschaffen.

Für den BSBD vor Ort, Michael Oehlsen.

Für den BSBD Thüringen nahm unser Kollege Michael Oehlsen an der Vorführung teil. Michael ist Beamter des mittleren Vollzugsdienstes und aktuell in der Abschiebungshafteinrichtung (AHE) tätig. Darüber hinaus engagiert er sich im Hauptausschuss des BSBD Thüringen und ist dort als Tarifvertreter und Ansprechpartner für unsere angestellten Kolleginnen und Kollegen aktiv.

Gerade diese Verbindung aus täglicher Vollzugspraxis und gewerkschaftlicher Arbeit war uns wichtig, dass neue Einsatz- und Eigensicherungsmittel sich daran messen lassen müssen, welchen tatsächlichen Nutzen sie für die Kolleginnen und Kollegen in konkreten Einsatzsituationen haben.

Was hat uns am Jet Protector überzeugt?

Bei der praktischen Vorführung wurden aus Sicht des BSBD mehrere Vorteile gegenüber dem derzeit verwendeten herkömmlichen Pfefferspray deutlich. Dazu gehören insbesondere die größere Reichweite, die punktgenauere Anvisierung mittels Laserstrahl und eine deutlich geringere Streuung des Wirkstoffes.

Gerade die geringere Streuung kann im Justizvollzug von besonderer Bedeutung sein. Viele Einsatzsituationen finden innerhalb geschlossener Gebäude, auf Stationen, in Hafträumen oder auf vergleichsweise engem Raum statt. Ein möglichst gezielter Einsatz kann deshalb dazu beitragen, eine unbeabsichtigte Beeinträchtigung weiterer Gefangener oder der eigenen Kolleginnen und Kollegen zu reduzieren.

Auch der eingesetzte Wirkstoff und dessen zeitlich begrenzte Wirkung wurden im Rahmen der Vorführung thematisiert. Insgesamt hat die praktische Präsentation den BSBD Thüringen davon überzeugt, dass der Jet Protector eine sinnvolle Ergänzung der vorhandenen Schutzausstattung darstellen kann. Bereits unsere erste Bewertung nach der Veranstaltung fiel deshalb positiv aus.

Dass solche Systeme bereits andernorts praktisch eingesetzt werden, zeigt beispielsweise der Vollzugsdienst des Ordnungsamtes Mainz. Dort wurden bereits 2019 insgesamt 45 Geräte des Typs JPX Jet Protector 2 beschafft. Als Vorteil gegenüber herkömmlichem Pfefferspray wurde unter anderem hervorgehoben, einen Angreifer auf größere Distanz halten zu können. Die Beschäftigten wurden vor der Einführung entsprechend geschult.

Praxisbeispiel: Einsatz des JPX Jet Protector beim Ordnungsamt Mainz – sensor Magazin

Jet Protector statt DEIG? Unterschiedliche Bewertung des praktischen Nutzens

Der BSBD Thüringen bewertet den Jet Protector dabei anders als die diskutierte Einführung eines Distanz-Elektro-Impuls-Gerätes (DEIG/Taser). Zu dem DEIG/Taser gab es auch 2025 eine Vorführung im Thüringer Landtag. Im Vergleich vertritt der BSBD Thüringen folgende Meinung:

Der BSBD Thüringen sieht insbesondere für den inneren Sicherheitsbereich des Justizvollzuges derzeit keinen vergleichbaren praktischen Mehrwert eines DEIG. Für uns geht es nicht darum, möglichst viele unterschiedliche Einsatzmittel einzuführen. Entscheidend muss sein, welches Mittel unter den besonderen räumlichen und taktischen Bedingungen einer Justizvollzugsanstalt tatsächlich geeignet ist, die Sicherheit unserer Beschäftigten zu verbessern.

Beim Jet Protector sehen wir nach der praktischen Vorführung einen solchen Mehrwert.

Unsere Position

Der BSBD Thüringen unterstützt deshalb die Einführung und Beschaffung des Jet Protectors als zusätzliches Eigensicherungs- und Einsatzmittel für den Thüringer Justizvollzug.

Dabei gehört zu einer verantwortungsvollen Einführung selbstverständlich auch eine einheitliche und praxisorientierte Aus- und Fortbildung der Beschäftigten. Ein neues Einsatzmittel kann seinen Sicherheitsgewinn nur dann entfalten, wenn die Kolleginnen und Kollegen mit seiner Handhabung, seinen Möglichkeiten und seinen Grenzen vertraut sind.

Die Sicherheit unserer Kolleginnen und Kollegen im täglichen Dienst muss für uns Maßstab jeder Entscheidung über neue Eigensicherungsmittel sein.

Weitere Eindrücke von der Vorführung hat auch das Thüringer Ministerium für Justiz, Migration und Verbraucherschutz veröffentlicht:

Video/Beitrag des TMJMV zur Vorführung auf Instagram

BSBD Thüringen, deine Fachgewerkschaft für den Strafvollzug

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